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Gewässerstruktur (Ökomorphologie)

Was ist Ökomorphologie?

Die Ökomorphologie beschreibt die Gestalt eines Gewässers nach ökologischen Gesichtspunkten. Je abwechslungsreicher und vielfältiger ein Gewässer und seine unmittelbare Umgebung sind, desto wertvoller ist der Gewässer-Lebensraum für Fische, Vögel, Kleintiere und Pflanzen. Das sauberste Wasser nützt der Natur nicht viel, wenn es in einem betonierten Kanal fliesst.

Das Geheimnis liegt in der Vielfalt

Zu den Gestaltungsmerkmalen eines natürlichen oder naturnahen Fliessgewässers gehören

 

  • eine gut strukturierte Gewässersohle mit vielen kiesigen Strecken
  • schnell und langsam fliessende Bereiche im Wechsel
  • Kolke (Ausspülungen) und flache Kiesbänke
  • eine gute Verzahnung des Gewässers mit einem intakten Uferbereich
  • eine standortgerechte Ufervegetation und eine ausreichende Beschattung
  • eine gute Durchgängigkeit im Längsverlauf (keine Hindernisse wie Stauwehre und Abstürze).

 

Die Philosophie hat sich geändert

In den vergangen hundert Jahren wurden in der Schweiz tausende von Kilometern Fluss- und Bachläufe verbaut, begradigt, eingeengt oder in Röhren unter den Boden gelegt - zum Schutz vor Überschwemmungen, zur Gewinnung von Land oder um eine rationellere Bewirtschaftung zu ermöglichen.

 

Die betroffenen Bäche und Flüsse wurden ihrer natürlichen Funktionen beraubt, sie dienen oft nur noch als Abflussrinne. Besonders grosse Defizite bestehen diesbezüglich in den Ebenen des Rheintals und in der Linthebene.

 

In der Zwischenzeit hat sich die Philosophie geändert. Gewässer sollen wieder Lebensräume sein und mehr Raum erhalten. Hochwasserschutz und Ökologie gehen Hand in Hand.

Revitalisierungen: Eine Aufgabe für Jahrzehnte

revitalisierter Bach

Es gibt schon viele gute Beispiele, wo verbaute Gewässerabschnitte naturnah gestaltet - revitalisiert - wurden. Den grössten Gewinn für die Natur haben Revitalisierungen, wenn sie nach einem übergeordneten Konzept vorgenommen und aufeinander abgestimmt werden. Es wird aber noch eine Aufgabe für Jahrzehnte sein, die Defizite bei den Gewässerlebensräumen zu beheben. Dank dem Abschluss einer Programmvereinbarung «Renaturierungen» mit dem Bund kann der Kanton Projekte für Renaturierungen mit Beiträgen bis zu 35 Prozent unterstützen. Das seit dem 1.1.2010 gültige kantonale Wasserbaugesetz sieht neu ebenfalls Beiträge für Renaturierungen vor. Im Kanton gibt es bereits zahlreiche gute Beispiele von renaturierten Gewässerabschnitten.

 

 

Von grosser Bedeutung ist es zudem, den Raum, den die Bäche und Flüsse benötigen, mit planerischen Mitteln langfristig zu sichern.

Keine flächendeckenden Erhebungen im Kanton St.Gallen

Der ökomorphologische Zustand eines Gewässers wird nach einer standardisierten Methode des BAFU beurteilt. Im Kanton St.Gallen wurde die flächendeckende Erhebung der Ökomorphologie der Flüsse und Bäche aus Kostengründen bisher nicht durchgeführt.

Schutz für unberührte Flusslandschaften

Unberührte Naturlandschaften sind rar geworden. Die wenigen naturbelassenen Gewässerlandschaften bedürfen eines umfassenden Schutzes. Gemäss Bundesverfassung ist Naturschutz Sache der Kantone.

 

Mit Richtplanung (Gesamtplan Natur- und Heimatschutz) und verschiedenen kantonalen und kommunalen Erlassen trägt der Kanton St.Gallen den bundesrechtlichen Verpflichtungen Rechnung. Der Gesamtplan Naturschutz bezeichnet besonders wertvolle Lebensräume in und an Gewässern, die sich durch eine hohe Strukturvielfalt, Ursprünglichkeit und als Standort bedrohter und seltener Tier- und Pflanzenarten auszeichnen. Sie geniessen bei planerischen Vorhaben einen speziellen Schutz oder werden gar aufgewertet.

Landschaften mit nationaler Bedeutung

Besonderen Stellenwert haben die Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN-Gebiete) und Auengebiete. Auf st.gallischem Kantonsgebiet gibt es elf BLN-Gebiete und sechs schützenswerte Flussauen von nationaler Bedeutung. Am Rhein, am Bodenseeufer und in der Linthebene finden sich bedeutende Wasservogelgebiete.

 

Fachbeiträge, Berichte

PDF-Datei Umweltwissen: Bäche und Flüsse; Mir ist eng (2028 kB, PDF)   18.04.2006

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