Accesskeys

Vollzug der Vorschriften über die Verwendung von Dünger und Bodenzusätzen

Landwirt beim Jauche ausbringen

Die politische Gemeinde vollzieht die Vorschriften in den Anhängen zur eidgenössischen Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung über die Verwendung von Dünger, Dünger- und Bodenzusätzen.

 

Dünger dienen der Pflanzenernährung. Mit der Düngung werden die Pflanzen am richtigen Standort mit der nötigen Düngermenge versorgt. Geschieht dies fachgerecht - zur richtigen Zeit - wird die Umwelt geschont und zudem Geld gespart. Bei ungünstigen Boden- und Witterungsverhältnissen darf nicht gedüngt werden. Sonst wird Dünger in ein Gewässer abgeschwemmt oder ins Grundwasser ausgewaschen. Auch können umweltgefährdende Stickstoffgase in die Luft entweichen.

 

   

Detailaufgaben und Hinweise


A - Durchsetzen der Einschränkungen bei der Verwendung von Düngern

Flüssige Dünger dürfen nur ausgebracht werden, wenn der Boden saug- und aufnahmefähig ist. Dünger dürfen vor allem dann nicht ausgebracht werden, wenn der Boden wassergesättigt, gefroren, schneebedeckt oder ausgetrocknet ist (Anhang 2.6 Ziff. 3.2.1 Abs. 2 ChemRRV).

 

Stickstoffhaltige Dünger dürfen grundsätzlich nur zu Zeiten ausgebracht werden, in denen die Pflanzen den Stickstoff aufnehmen können (Anhang 2.6 Ziff. 3.2.1 Abs. 1 erster Satz ChemRRV).

 

Im Kanton St.Gallen dauert die Zeit, in der Pflanzen den Stickstoff nicht aufnehmen können - je nach Exposition und Höhenlage - bis zu mehreren Monaten. Während dieser Zeit (VegetationsruheAufklapp-PfeilVegetationsruheDie Vegetationsruhe um­fasst denjenigen Zeitraum des Jahres, in dem die Pflanzen fotosynthetisch nicht aktiv sind, d.h. nicht wachsen, nicht blühen und nicht fruchten. Als Beginn der Vegetationsruhe gilt, wenn der fünfte aufeinanderfolgende Tag eine Tagesmitteltemperatur von unter 5°C aufweist. Die Vegetationsruhe endet, wenn der siebte nacheinanderfolgende Tag eine Tagesmitteltempera­tur von mindestens 5°C aufweist (vgl. Schweizer Lexikon, 1993). Für die Berechnung des Tagesmittels werden die über 24 Stunden gemessenen Temperaturwerte gemittelt. Die oben genannte Definition der Vegetationsruhe wurde vom Bundesgericht in einem unveröf­fentlichten Entscheid i.S. Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell A.Rh. gegen L. (6S.362/ 1997/rar) im Wesentlichen bestätigt. Danach endet die Vegetationsruhe, wenn die Temperatur im Tagesmittel während mehreren aufeinanderfolgenden Tagen 5°C nicht unterschreitet. Urteil des Bundesgerichts (6S.362/ 1997/rar)) benötigen die Pflanzen mangels nennenswerten Wachstums keine zusätzlichen Nährstoffe. Die im Boden vorhandenen Nährstoffreserven vermögen den Bedarf - auch bei Wärmeeinbrüchen - ohne weiteres abzudecken. Sinkt die Tagesmitteltemperatur während mehrerer Tage auf unter 5° Celsius, so kann davon ausgegangen werden, dass die Pflanzen nicht mehr in der Lage sind, mit der Gülle ausgebrachten StickstoffAufklapp-PfeilStickstoff (N)Molekularer Stickstoff ist ein Hauptbestandteil der Luft. Er ist in der Umwelt ein wichtiger Dünger, der durch Luftstickstoffbindung (vor allem durch Knöllchenbakterien in Wurzeln von Leguminosen) auf natürlichem Wege im Humus angereichert wird. In atomarer Form ist er als Baustein der Proteine ein wichtiges Hauptnährelement aller Organismen. Stickstoff ist ein zentrales Element im Stoffhaushalt der Ökosysteme und wurde, da es in Mineralien relativ selten auftritt, auf der Erdoberfläche und im Wasser fast ausschliesslich biotisch angereichert.  In der Erdatmosphäre sind 75,5 Massen-Prozent oder 78,7 Volumen-Prozent Stickstoff enthalten. In der Erdkruste kommt Stickstoff nur zu 0,03 % vor. Stickstoffhaltige Mineralien sind relativ selten.  In der Natur gibt es zahlreiche wichtige organische Stickstoffverbindungen, wie beispielsweise Eiweisse und Nukleinsäuren. In Form der anorganischen Nitrate und Ammoniumverbindungen erfolgt die Aufnahme bei Pflanzen über die Wurzeln. Umgekehrt werden beim Abbau organischen Materials (beispielsweise durch Verwesung) diese Verbindungen wieder frei gesetzt und stehen dem Stoffkreislauf wieder zur Verfügung (Stickstoffkreislauf). AmmoniumDüngerNitrat (im Sinne der ChemRRV) aufzunehmen. Kurzfristige Erwärmungen während weniger Tage vermögen daran grundsätzlich nichts zu ändern.

 

Bei der Beurteilung des richtigen Ausbringzeitpunktes hilft das vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL, heute BAFU) und Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gemeinsam herausgegebene Merkblatt "Düngen zur richtigen Zeit". Hilfestellung bei der fachlichen Beurteilung leisten auch die Düngerberatungsstellen in den Landwirtschaftlichen Zentren SG, Standorte Salez und Flawil.

Grundsätze zum Düngeraustrag im Winter:

 

  • Kein Zeitabschnitt mit absolutem Ausbringungsverbot;
  • Der Landwirt trägt die alleinige Verantwortung für die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften.
  • Den Gemeinden obliegen die Überwachungsaufgaben (Gewässerschutzpolizei und Vollzug Anhang 2.6 ChemRRV).
  • Es gelten grundsätzlich die Bestimmungen der ChemRRV sowie diejenigen des Gewässerschutzgesetzes.
  • Beurteilung des richtigen Ausbringzeitpunkts nach den Kriterien im Merkblatt "Düngen zur richtigen Zeit" (BUWAL, BLW) zur Schonung von Gewässer und Luft;
  • Hilfestellung bei der fachlichen Beurteilung durch die Düngerberatungsstellen der Landwirtschaftlichen Zentren SG.

 

Zusammengefasst gilt Folgendes:

 

  1. Kein Gülleaustrag während der Zeit, in der die Pflanzen keinen Stickstoff aufnehmen können.
  2. Es gilt die allgemeine Sorgfaltspflicht gemäss Merkblatt "Düngen zur richtigen Zeit" (BUWAL, BWL).

 

 

Tabelle Risiko bei Jaucheaustragung

Die obenstehende Tabelle zeigt die Beurteilung des Risikos von Gülleaustrag (bei der Wahrnehmung der allgemeinen Sorgfaltspflicht).

 

Die Gemeinde ist nicht befugt, sogenannte Notausträge zu gestatten!

 

B - Durchsetzen des Verbotes, Dünger an gewissen Standorten zu verwenden

Dünger und Zusätze dürfen nicht verwendet werden:

 

  • in Gebieten, die gestützt auf eidgenössisches oder kantonales Recht unter Naturschutz stehen, soweit die massgebenden Vorschriften oder Vereinbarungen nichts anderes bestimmen;
  • in den übrigen Riedgebieten und Mooren;
  • in Hecken und Feldgehölzen sowie in einem Streifen von drei Metern Breite entlang von Hecken und Feldgehölzen;
  • in oberirdischen Gewässern und in einem Streifen von drei Metern Breite entlang von oberirdischen Gewässern;
  • in der Zone S1 von Grundwasserschutzzonen (Fassungsbereich), ausgenommen ist das Liegenlassen von Mähgut;
  • flüssige Hofdünger dürfen in der Zone S2 von Grundwasserschutzzonen grundsätzlich nicht verwendet werden.

 

 

C - Strafanzeige erheben

Wer bei der Verwendung von Düngern gegen die oben genannten Einschränkungen oder Verbote verstösst, macht sich strafbar. Die strafrechtliche Verfolgung erfolgt durch das zuständige Untersuchungsamt. Die einschlägigen Strafbestimmungen sind Art. 60 Abs. 1 Bst. e USG sowie Art. 70 Abs. 1 Bst. a GSchG. Im Zusammenhang mit Widerhandlungen beim Ausbringen von Gülle kann auf die verschiedenen Merkblätter und Muster für Strafanzeigen verwiesen werden, die nachfolgend unter den Hilfsmittel zu finden sind.



 

 

Gerichts- und Verwaltungspraxis

unveröffentlichter BGE vom 21.10.1985 i.S. H betreffend Güllenaustrag auf schneebedeckten Böden


 

Logo Literatur vom Kanton

Kanton - AFU

 

  • Düngung im Einflussbereich von Gewässern; AFU-Heft 2/93, S. 10ff.
  • Kreisschreiben des Baudepartementes und des Volkswirtschaftsdepartementes über die Verwendung von Düngemitteln vom 8. November 1988 (ABl 1988, 2590)

 

Logo andere Hinweise

Düngeberatung