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Energienachweis: Inhalt und Pflicht

Inhalt des Nachweises

Energie-Formular mit Kugelschreiber

Das Baubewilligungsverfahren wird durch ein Baugesuch ausgelöst, das alle für die baupolizeiliche Beurteilung notwendigen Unterlagen enthält. Mit dem Baugesuch muss deshalb auch nachgewiesen werden, dass die energierechtlichen Anforderungen erfüllt werden (Art. 11 Abs. 1 EnV).

Der Nachweis wird auf einem speziellen Formular erbracht, das von der Gemeindebehörde abgegeben wird oder elektronisch heruntergeladen werden kann (siehe Energienachweis-Formulare). Er richtet sich nach der Norm SIA 380/1, Thermische Energie im Hochbau, Ausgabe 2009). Diese Norm kann beim Schweizerischen Ingenieur- und Architekten-Verein bestellt werden.

 

 

Einhaltung der System- oder Einzelanforderungen

Gestützt auf die revidierte Norm SIA 380/1 Ausgabe 2009, besteht die freie Wahl zwischen der Einhaltung der Einzel- oder Systemanforderungen (Ausnahmen: Vorhangfassaden und Sonnenschutzgläser mit g<0.3). Bei Umbauten nach Art. 7 EnG steht es der Bauherrschaft frei, die System- oder die Einzelanforderungen einzuhalten (siehe Wärmeschutz bei Umbauten).

Zeitpunkt der Einreichung des Nachweises

Insbesondere der Nachweis über die Einhaltung der einzelnen Systemanforderungen ist recht aufwendig und nur möglich, wenn die Ausgestaltung der Baute feststeht. Diese kann sich jedoch im Verlauf eines Bewilligungsverfahrens, zum Beispiel aufgrund einer Einsprache, ändern. Der Aufwand für die Berechnung des Heizenergiebedarfs wäre dann nutzlos. Um dies zu vermeiden, ist in Art. 11 Abs. 2 EnV festgelegt, dass der Nachweis auch nach Erteilung der Baubewilligung, aber vor Beginn der Bauarbeiten erbracht und genehmigt werden muss.

 

In der Regel erfolgt die Schnurgerüstabnahme gleichzeitig mit der Genehmigung des Energienachweises. Um Unklarheiten zu vermeiden, kann die Baubewilligungsbehörde den Vorbehalt von Art. 11 Abs. 2 EnV in die Baubewilligung aufnehmen.

 

Genehmigung des Nachweises

Die Genehmigung des Nachweises muss nicht von derselben Behörde ausgesprochen werden, die für die Erteilung der Baubewilligung zuständig ist. Die Delegation dieser Zuständigkeit beispielsweise an das Bauamt der Gemeinde ist zulässig. Erfolgt eine Delegation, muss diese indessen in einem Gemeindereglement geregelt sein. Die Genehmigung des Nachweises umfasst eine vollständige inhaltliche Überprüfung. In denjenigen Fällen, in denen eine zur Privaten Kontrolle befugte Person für die inhaltliche Richtigkeit einsteht, beschränkt sie sich auf eine Vollständigkeitsprüfung. Nur in 10 Prozent aller Fälle ist eine inhaltliche Kontrolle  im Sinn einer Stichprobe vorzunehmen.

 

Überprüfung der inhaltlichen Richtigkeit des Nachweises

Die Überprüfung des Nachweises erfolgt entweder durch eine zur Privaten Kontrolle befugte Person oder die Baubewilligungsbehörde.

 

 

Befreiung von der Nachweispflicht bei kleineren Umbauten und Umnutzungen (Art. 4 Abs. 3 EnG)

Während für Neubauten stets ein Nachweis erbracht werden muss, kann bei Umbauten und Umnutzungen darauf verzichtet werden, wenn die voraussichtlichen Baukosten höchstens 200'000 Franken und gleichzeitig höchstens 30 Prozent des aktuellen Gebäudezeitwerts betragen. Wird folglich eine Baute, die einen aktuellen Gebäudezeitwert von 300'000 Franken aufweist, für 140'000 Franken umgebaut, muss der Nachweis erbracht werden, weil die Baukosten mehr als 30 Prozent des aktuellen Gebäudezeitwerts ausmachen.

 

Einhaltung der Wärmeschutzvorschriften trotz Verzicht auf Nachweis

Der Verzicht auf den Nachweis bedeutet hingegen nicht, dass die Anforderungen an den WärmeschutzAufklapp-PfeilWärmeschutzDer Wärmeschutz im Bauwesen als Teilbereich der Bauphysik kann in die Bereiche Winterlicher Wärmeschutz und Sommerlicher Wärmeschutz aufgeteilt werden. 1. Winterlicher Wärmeschutz:Der Winterliche Wärmeschutz hat den Zweck, während der Heizperiode an den Innenoberflächen der Bauteile eine ausreichend hohe Oberflächentemperatur zu gewährleisten und damit Oberflächenkondensat bei in Wohnräumen üblichem Raumklima auszuschließen. Oberflächenkondensat entsteht, wenn dieTemperatur der Wandoberfläche unter der Taupunkttemperatur liegt. Weiter dient der Winterliche Wärmeschutz dazu, Bauteilkonstruktionen zu definieren, die den Wärmeverlust begrenzen, welcher durch den Wärmedurchgangskoeffizienten, den sogenannten U-Wert (früher k-Wert) in W/m²K beschrieben wird. 2. Sommerlicher Wärmeschutz:Der Sommerliche Wärmeschutz dient dazu, die durch Sonneneinstrahlung verursachte Aufheizung von Räumen, die in der Regel im wesentlichen auf eine Einstrahlung durch die Fenster zurückzuführen ist, so weit zu begrenzen, daß ein behagliches Raumklima gewährleistet wird. Hierbei soll nach Möglichkeit auf den Einsatz von Klimatisierung verzichtet werden. Der sommerliche Wärmeschutz wird beeinflusst durch die Abmessungen des Raumes, die Orientierung der Fenster, die Art der Verglasung und der Sonnenschutzeinrichtung, interne Wärmequellen (z. B. Personenwärme, Abwärme von Computern oder Beleuchtung) sowie die im Raum vorhandenen Speichermassen der Bauteile. nicht zu erfüllen sind. Vielmehr kann die Baubewilligung nur erteilt werden, wenn bestätigt wird, die Anforderungen seien eingehalten. Diese Bestätigung erfolgt im Energienachweis. Verzichtet wird lediglich auf die im Nachweis enthaltenen Berechnungen des Heizwärmebedarfs. Es wird mit anderen Worten darauf vertraut, die abgegebene Bestätigung, die energierechtlichen Anforderungen seien eingehalten, entspreche der Wahrheit.

 

Befugnis der Bewilligungsbehörde, auch bei kleineren Umbauten und Umnutzungen einen Nachweis zu verlangen

Wenn im Einzelfall begründete Zweifel bestehen, energierechtliche Vorschriften würden nicht eingehalten, ist die Gemeinde gleichwohl befugt, einen Nachweis zu verlangen.

 

MINERGIE-zertifizierte Bauten und Anlagen (Art. 14 Bst. b EnV)

Im Rahmen der MINERGIE-Zertifizierung werden die Energiekennzahlen des Gebäudes genau kontrolliert, weshalb sich eine zusätzliche Prüfung durch die Baubewilligungsbehörde erübrigt. Stattdessen muss dem Energienachweis eine Kopie des provisorischen MINERGIE-Zertifikats beigelegt werden.

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