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Mikroverunreinigungen als neue Herausforderung im Gewässerschutz

Medikamente

Was sind Mikroverunreinigungen?

Mikroverunreinigungen sind organische Spurenstoffe, die in sehr tiefen Konzentrationen  in den Gewässern vorkommen (Milliardstel- bis Millionstel-Gramm pro Liter). Einige von ihnen können bereits in diesen tiefen Konzentrationen auf Wasserlebewesen schädlich wirken. Im Trinkwasser sind sie ohnehin nicht erwünscht.

 

In der Schweiz sind über 30'000 solcher Stoffe in unzähligen Produkten im täglichen Gebrauch. Viele davon gelangen ins Wasser. Zu den Mikroverunreinigungen gehören Rückstände von Medikamenten, Inhaltsstoffe in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, Körperpflegeprodukten oder Industriechemikalien, Materialschutzmittel und Pestizide gegen unerwünschte Pflanzen, Insekten oder Pilze.

 

Woher stammen Mikroverunreinigungen?

Viele Mikroverunreinigungen gelangen mit dem Abwasser aus privaten Haushalten und aus der Industrie zur ARA und werden dort schlecht oder gar nicht abgebaut oder zurückgehalten. Daher sind vor allem Flüsse und Bäche mit einem hohen Anteil an gereinigtem Abwasser mit Mikroverunreinigungen belastet. Wirkstoffe in Medikamenten werden mit dem Urin wieder ausgeschieden und gelangen zum überwiegenden Teil nicht etwa in den Spitälern sondern in den privaten Haushalten ins Abwasser.

 

Im Obst- oder Ackerbau eingesetzte Pestizide können durch Abdrift oder bei Regenwetter durch Abschwemmung direkt in die Gewässer gelangen. Vor allem die unsachgemässe Handhabung von Spritzmitteln kann problematisch sein, da einzelne von ihnen in Gewässer sehr toxisch wirken. Reste von Spritzmitten dürfen niemals in die Kanalisation entsorgt werden.

 

Wie stark sind die St.Galler Gewässer belastet?

Seit 2002 hat das AFU zahlreiche Messkampagnen zu Mikroverunreinigungen in Fliessgewässern und in den ARA-Abläufen durchgeführt. Die Belastung der St.Galler Fliessgewässer ist damit gut beschrieben. Die Ergebnisse der einzelnen Kampagnen sind in den untenstehenden Berichten zu finden. In vielen Proben konnten Wirkstoffe nachgewiesen werden, in einigen davon lagen die Konzentrationen im kritischen Bereich. Am stärksten belastet waren kleinere Flüsse wie die Glatt oder die Steinach, die einen hohen Anteil gereinigtes Abwasser mit sich führen. Durch die Messungen in ARA-Abläufen konnten zahlreiche übermässige Einträge von problematischen Stoffen festgestellt und zurückverfolgt werden. In der Regel stammen sie aus Industriebetrieben. Im Gespräch mit den Verantwortlichen werden Massnahmen gesucht und umgesetzt.

 

Zusätzliche Reinigungsstufen auf ausgewählten ARA

Der Bund will den Eintrag von Mikroverunreinigungen in die Gewässer verringern. Dazu sollen zahlreiche ARA mit zusätzlichen Behandlungsstufen ausgerüstet werden. Eine entsprechende Änderung der Gewässerschutzverordnung ist in Vorbereitung. Als Verfahren stehen die Behandlung des Abwassers mit Ozon oder Pulveraktivkohle im Vordergrund. Erweitert werden sollen die grossen ARA mit mehr als 80‘000 angeschlossenen Einwohnern, die ARA im Einzugsgebiet von Seen mit mehr als 24‘000 angeschlossenen Einwohnern und die ARA an Gewässern mit einem Abwasseranteil von mehr als 10 Prozent. Bei dieser Kategorie muss der Kanton in einer Planung über das Einzugsgebiet festlegen, welche ARA aufzurüsten sind. In der Schweiz sind rund 100 bis 120 ARA betroffen, im Kanton St.Gallen voraussichtlich etwa zehn.

 

Spezialfinanzierung

Die Kosten für diese Massnahmen betragen schweizweit rund 1.2 Mia. Franken. National- und Ständerat haben der dazu notwendigen Änderung des Gewässerschutzgesetzes zugestimmt. Bei allen zentralen ARA der Schweiz soll pro angeschlossenem Einwohner eine jährliche Abgabe von maximal neun Franken erhoben werden. Mit diesem Geld werden den von den Massnahmen betroffenen ARA 75 Prozent der Investitionskosten abgegolten. Anlagen, die den Ausbau umgesetzt haben, werden von der Abgabe befreit. Die neuen gesetzlichen Vorschriften treten  voraussichtlich am 1. Januar 2016 in Kraft.

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