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Mikroverunreinigungen als neue Herausforderung im Gewässerschutz

Medikamente und Pestizid spritzen

Rückstände von Medikamenten, Inhaltsstoffe aus Reinigungsmitteln und Körperpflegeprodukten, Insekten- und Unkrautvertilgungsmittel oder Industriechemikalien werden in der ARA nicht oder nur schlecht zurückgehalten und sind in den Gewässern in sehr tiefen Konzentrationen nachweisbar. Manche dieser Mikroverunreinigungen können sich auf die Lebewesen im Wasser schädlich auswirken. Zudem sind sie im Trinkwasser unerwünscht. Vor allem Flüsse mit einem hohen Anteil an gereinigtem Abwasser enthalten kritische Konzentrationen. Der Bund will mit einer Änderung der Gewässerschutzverordnung den Eintrag von Mikroverunreinigungen in die Gewässer verringern. Dazu müssen zahlreiche ARA mit zusätzlichen Behandlungsstufen ausgerüstet werden.

Messkampagnen im Kanton St.Gallen

Das Amt für Umwelt und Energie (AFU) hat bereits verschiedene Messkampagnen zu Mikroverunreinigungen durchgeführt. Die Belastungslage im Kanton ist damit gut beschrieben. Die Ergebnisse sind in den unten aufgeführten Berichten beschrieben.

In zahlreichen Gewässerproben konnten hormonell wirksame Stoffe, Arzneimittel und einzelne Industriechemikalien nachgewiesen werden, meist jedoch nicht in kritischen Konzentrationen. In einigen Fällen lagen die Werte für bestimmte Substanzen aber im kritischen Bereich. Am stärksten belastet sind kleinere Flüsse, die einen hohen Anteil gereinigtes Abwasser aus ARA mit sich führen. Mit Messungen in ARA-Ausläufen versucht das AFU, aussergewöhnliche Einträge von kritischen Mikroverunreinigungen aufzuspüren. Sofern ein Eintrag aus einer einzelnen Quelle, z. B. aus einem Industriebetrieb, stammt, werden im Gespräch mit den Verantwortlichen Massnahmen gesucht.

 

Mikroverunreinigungen beseitigen: zusätzliche Reinigungsstufen auf ARA

Änderung der Gewässerschutzverordnung

Bei zahlreichen Stoffen lässt sich ein Eintrag ins Abwasser nicht vermeiden. Medikamente beispielsweise werden grösstenteils wieder ausgeschieden und gelangen ins Abwasser. Das BAFU kommt zum Schluss, dass sich die Gesamtfracht von Mikroverunreinigungen, die in unsere Gewässer gelangt, am effizientesten mit zusätzlichen Reinigungsstufen auf ARA verringern lässt. Der Bund möchte daher für bestimmte ARA einen Eliminationsgrad für Mikroverunreinigungen von mindestens 80 Prozent in der Gewässerschutzverordnung vorschreiben. Rund 100 der über 700 öffentlichen ARA in der Schweiz sind davon betroffen.

 

Behandlung des Abwassers mit Ozon oder Aktivkohle

Als Verfahren stehen die Behandlung des Abwassers mit Ozon oder Aktivkohle im Vordergrund. Erweitert werden sollen die grossen ARA mit mehr als 80'000 angeschlossenen Einwohnern, die ARA im Einzugsgebiet von Seen mit mehr als 24'000 angeschlossenen Einwohnern und die ARA mit mehr als 8'000 angeschlossenen Einwohnern an Gewässern mit einem Abwasseranteil von mehr als 10 Prozent. Bei dieser Kategorie von ARA muss der Kanton in einer Planung über das Einzugsgebiet festlegen, welche ARA aufzurüsten sind. Im Kanton St.Gallen sind rund zehn ARA betroffen. Dabei könnten auch Zusammenschlüsse sinnvoll sein.

 

Spezialfinanzierung

Die Kosten dafür betragen rund 1.2 Mia. Franken. Der Nationalrat hat der Änderung des Gewässerschutzgesetzes (GSchG) bezüglich der verursachergerechten Finanzierung der Elimination von Spurenstoffen im Abwasser zugestimmt und somit eine bis Ende 2040 befristete gesamtschweizerische Spezialfinanzierung für die Massnahmen bei den Abwasserreinigungsanlagen geschaffen. Zur Mitfinanzierung der Massnahmen wird bei allen ARA der Schweiz je angeschlossene Einwohnerin und angeschlossenem Einwohner eine Abgabe von maximal neun Franken erhoben. Die ARA finanzieren diese Abgabe über eine Erhöhung ihrer bestehenden Abwassergebühren. Die Änderung wird voraussichtlich ab 1.1.2015 in Kraft treten, die Abgabe wird voraussichtlich ab 2016 erhoben. Anlagen, die den Ausbau umgesetzt haben, sollen von der Abgabe befreit werden.

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