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Wärmeschutz

Geltungsbereich der Vorschriften über den Wärmeschutz (Art. 1 EnV)

Alle Bauten, die neu erstellt oder umgebaut werden (Neubauten und Umbauten) müssen den Anforderungen über den Wärmeschutz entsprechen, wenn sie beheizt, gekühlt , belüftet oder befeuchtet werden.

Grundsätzliche Anforderungen an Neubauten und Umbauten (Art. 4 EnG, Art. 2 und 2a EnV)

Neubauten und Umbauten müssen die Anforderungen an eine sparsame und rationelle Energieverwendung erfüllen. Diese bezwecken, einen möglichst hohen energetischen Wirkungsgrad zu erzielen, Abwärme zu nutzen und den Energieeinsatz zu verringern. Trotz ihrer Kürze handelt es sich hier um eine der zentralen Bestimmungen des Energiegesetzes. Deren Anforderungen werden in Art. 2 EnV ausgeführt, wonach die Norm SIA 380/1, Thermische Energie im Hochbau, Ausgabe 2009 als verbindlich erklärt wird, soweit die Energieverordnung nicht besondere Vorschriften enthält. Für die Berechnungen sind die Grenzwerte massgebend.

 

Seit dem Jahr 2010 ist nebst dem winterlichen auch dem sommerlichen Wärmeschutz Beachtung zu schenken. Einzelheiten zum Vollzug finden sich in der Vollzugshilfe EN-2, Wärmeschutz von Gebäuden, der Konferenz kantonaler Energiefachstellen.

Klimadaten für die Berechnung des Heizwärmebedarfs (Art. 3 EnV)

Für die Berechnung des Heizwärmebedarfs gelten im ganzen Kanton St.Gallen die Klimadaten der Station St.Gallen nach dem Merkblatt SIA 2028, Klimadaten für Bauphysik, Energie- und Gebäudetechnik, Ausgabe 2008. Auf die Anwendung unterschiedlicher Klimastationen und gleichzeitiger Höhenlagekorrektur wurde schon anlässlich der Teilrevision der Energieverordnung 1998 verzichtet, was zu einer wesentlichen Vereinfachung des Vollzugs führte. Weil etwa 97 Prozent der Bevölkerung in Lagen zwischen 400 und 800 m ü.M. leben, in denen keine schwerwiegenden klimatischen Schwankungen festzustellen sind, ist diese Lösung auch aus energetischer Sicht sinnvoll. Eine Korrektur für die Höhenlage oder das Lokalklima ist nicht zulässig.

Klimadaten der Station St.Gallen

Bild vergrössern: Tabelle Klimadaten St.Gallen

(Klicken für Grossansicht)

Höhe ü.M.: 779m

Lage: NW

Klimaregion: 3

Jahresminimum-Temp.: -10oC


Wärmebrücken

Wärmebrücken sind Schwachstellen der Gebäudehülle, die einen höheren Wärmedurchgangskoeffizienten aufweisen als die benachbarten Bauteile. Folgen von Wärmebrücken sind einerseits ernstzunehmende Schadenrisiken (Oberflächenkondensat, Pilzbefall) und andererseits erhöhte Wärmeverluste. Wärmebrücken werden häufig verursacht durch Materialwechsel oder Durchdringung und Schnittstellen an Bauteilen der Gebäudehülle wie z.B. auskragende Vordächer oder Balkonplatten, die Dämmschicht durchstossende Träger, Fensterstürze usw. Für lineare und punktuelle Wärmebrücken gelten die Grenzwerte der Norm SIA 380/1, Thermische Energie im Hochbau, Ausgabe 2009.


Kühlräume, Gewächshäuser und Traglufthallen (Art. 7, 8 und 8a EnV)

Kühlräume, Gewächshäuser und Traglufthallen werden nicht wie gewöhnliche Bauten behandelt, weshalb sie in einem gesonderten Kapitel behandelt werden.


 

Grundsatz des sommerlichen Wärmeschutzes (Art. 2a EnV)

Der sommerliche Wärmeschutz wird in Anbetracht der gleichermassen steigenden Aussentemperaturen und Komfortbedürfnisse immer wichtiger. Deshalb sollen grundsätzlich alle Bauten über einen Sonnenschutz verfügen. Als Sonnenschutz zugelassen ist grundsätzlich jegliche Art der künstlichen Beschattung wie z.B. Rolläden, Lamellenstoren, Stoffmarkisen oder traditionelle Fensterläden. Im Fall einer Raumklimatisierung muss der Sonnenschutz zudem steuerbar und windfest sein.

 

Der Erlass einer Vorschrift über den sommerlichen Wärmeschutz wurde notwendig, weil seit einigen Jahren Neubauten vermehrt mit einer Kühlung versehen, aber auch in viele bestehende Bauten nachträglich Raumkühlungen eingebaut werden. Diese Art der Behaglichkeit bei hochsommerlichen Aussentemperaturen wird in zunehmenden Masse als selbstverständlich vorausgesetzt, ist aber ausgesprochen energieintensiv. Für den energieeffizienten Betrieb einer Klimaanlage ist deshalb eine automatische, von der Sonneneinstrahlung abhängige Steuerung des Sonnenschutzes unumgänglich.

Sommerlicher Wärmeschutz für Neubauten

Als Neubauten im Sinn von Art. 2a EnV gelten alle Bauten, deren Baubewilligung ab 1. Januar 2010 oder später rechtskräftig wurde. Neubauten müssen stets über einen Sonnenschutz verfügen. In nicht klimatisierten neuen Wohnbauten genügt ein Sonnenschutz in Form üblicher handbetriebener Rolläden, Lamellenstoren, Stoffmarkisen oder traditioneller Fensterläden (Art. 2a Abs. 1).

 

Weil der Gesamtenergiedurchlassgrad von Fenstern und die Ausgestaltung des Sonnenschutzes im Nachhinein kaum mehr mit verhältnismässigen Massnahmen verbessert werden kann, ist es bei neuen Dienstleistungsbauten äusserst wichtig, die Anforderungen auch dann einzuhalten, wenn im Zeitpunkt der Erstellung noch keine Klimatisierung geplant ist.

Sommerlicher Wärmeschutz für bestehende Bauten

Eine Nachrüstungs- bzw. Sanierungspflicht bestehender Bauten mit Sonnenstoren und dergleichen besteht nicht. Der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes muss bei Umbauten somit nicht erbracht werden. Im Rahmen von Umbauten könnte allenfalls bei einer grundlegenden Fassadenrenovation eine nachträgliche Ausrüstung verlangt werden, sofern das Gebäude über grosse sonnenexponierte verglaste Flächen verfügt.

 

Wird eine bestehende Baute neu mit einer Klimaanlage ausgestattet, muss diese Baute nachträglich mit einem Sonnenschutz ausgestattet werden, dessen Steuerung und Windfestigkeit dem Stand der Technik entspricht. Der nachträgliche Einbau einer Klimaanlage setzt folglich voraus, dass der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes erbracht wird.

 

Sommerlicher Wärmeschutz für gekühlte Bauten

Bei neuen Bauten muss stets geprüft werden, ob eine Raumkühlung notwendig oder erwünscht ist. Letzteres trifft beispielsweise regelmässig bei Dienstleistungsbauten zu, nicht hingegen bei Wohnbauten. Die Begriffe "notwendig" und "erwünscht" sind der Norm SIA 382/1, Ausgabe 2007, entnommen (vgl. Ziff. 8 der Vollzugshilfe EN-2, Wärmeschutz von Gebäuden, der Konferenz kantonaler Energiefachstellen). Danach werden für die Beurteilung, ob eine Kühlung notwendig ist, die internen Wärmequellen und die vorhandenen Möglichkeiten zur mechanischen Lüftung oder zur Fensterlüftung berücksichtigt. Für die Bestimmung der internen Wärmequellen ist die tatsächliche Wärmeabgabe von Personen, Geräten und Beleuchtung massgeblich.

 

Gilt eine Kühlung als notwendig oder erwünscht, muss der Sonnenschutz automatisch gesteuert und windfest sein (Art. 2a Abs. 2 EnV). Es sind grundsätzlich alle elektronisch steuerbaren Sonnenschutzvorrichtungen zugelassen. Die automatische Steuerung erfolgt abhängig von den Bestrahlungsverhältnissen, zumindest aber fassadenweise. Individuelle Steuerungen der einzelnen Fenster durch die Raumnutzenden sind weiterhin möglich. Der Sonnenschutz ist frei wählbar, so dass auch bei aktiviertem Sonnenschutz bei Tageslicht gearbeitet werden kann; z.B. können Lamellenstoren so gewählt und gesteuert werden, dass sie ganz oder nur in einem Bereich horizontal gestellt werden können.

Vom sommerlichen Wärmeschutz ausgenommene Bauten (Art. 13 Abs. 2 EnV)

Bei Bauten, die für die Dauer von höchstens drei Jahren bewilligt werden, und bei energetisch relevanten Umnutzungen, in deren Rahmen keine Räume geschaffen werden, deren Kühlung notwendig oder erwünscht ist, muss kein sommerlicher Wärmeschutz realisiert werden. Dasselbe gilt für Vorhaben, für die mit einem dem Stand der Technik entsprechenden Rechenverfahren nachgewiesen ist, dass kein erhöhter Energieverbrauch auftreten wird.

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