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Verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung (VHKA)

Vorteile der individuellen Abrechnung von Heizungs- und Warmwasserkosten

Geld

Im Bereich Heizung und Warmwasser liegt noch ein grosses Energiesparpotenzial brach: Durch die verbrauchsabhängige Abrechnung der Kosten für Heizung und Warmwasser können nach den bisherigen Erfahrungen Energieeinsparungen bis zu zehn Prozent erreicht werden. Sie ist gegenüber herkömmlichen Abrechnungsarten wie der Abrechnung nach Wohnungsgrösse gerechter, weil sie dem Verursacherprinzip Rechnung trägt. Wärmetechnisch ungünstig gelegene Räume bzw. Wohnungen (z.B. Eckwohnungen) werden durch einen rechnerischen Lageausgleich innen liegenden Räumen gleichgestellt. Zudem wird bei der Abrechnung der Zwangswärmekonsum von Verteilleitungen und Kaminen berücksichtigt.

VHKA in Neubauten (Art. 8 Abs. 1 Bst. a EnG)

In Neubauten, die sieben Nutzeinheiten (Wohnungen/Geschäftsräumen) oder mehr umfassen, müssen Messeinrichtungen für Heizung und Warmwasser eingerichtet werden. Diese Pflicht gilt bereits seit dem Jahr 1991. Als Neubauten im Sinn von Art. 8 Abs. 1 Bst. a EnG gelten deshalb Bauten, deren Baubewilligung am 1. Januar 1991 oder später rechtskräftig geworden ist.

VHKA in wesentlich erneuerten Altbauten (Art. 8 Abs. 1 Bst. b EnG)

Ab dem Jahr 2010 sind die Kosten für Heizung und Warmwasser nicht nur wie bis anhin in Neubauten verbrauchsabhängig abzurechnen, sondern auch in bestehenden Gebäuden, die wesentlich erneuert werden. Als wesentliche Erneuerungen gilt die Gesamtsanierung des Heizungs- und Warmwassersystems (Art. 9 Abs. 3 Bst. d eidg. EnG und Art. 11a Abs. 4 Bst. a eidg. EnV). Im Kanton St.Gallen gilt diese Pflicht indessen nur für Bauten, die mindestens neun Nutzeinheiten aufweisen.

Abrechnung in Nahwärmenetzen (Gebäudegruppen mit gemeinsamer Heizung)

Verfügen zwei oder mehr Gebäude über eine gemeinsame Heizung gelten sie als Einheit. Massgebend ist folglich die Anzahl Nutzeinheiten, die an derselben Heizung angeschlossen sind. Wurden die Gebäude 1991 oder später bewilligt und weisen sie sieben oder mehr Nutzeinheiten auf, gilt die Pflicht zur verbrauchsabhängigen Wärmekostenabrechnung pro Nutzeinheit gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. a EnG.

 

Wurden die Gebäude mit gemeinsamer Heizung vor dem Jahr 1991 bewilligt oder weisen sie insgesamt weniger als sieben Nutzeinheiten auf, kommt Art. 8 Abs. 2 EnG zur Anwendung: Wird die Gebäudehülle von wenigstens einer Baute dieser Gruppe zu mehr als 75 Prozent erneuert, muss der Heizwärmeverbrauch für das sanierte Gebäude gesondert ermittelt werden (Art. 8 Abs. 2 EnG). Die Heizkostenabrechnung muss mithin nicht individuell für jede einzelne Nutzeinheit erfolgen, sondern nur für das Gebäude insgesamt. Die Heizkosten des Gebäudes können folglich frei nach einem geeigneten Schlüssel auf die einzelnen Nutzeinheiten verteilt werden.

Installation von Messgeräten und von Regelgeräten

Die Einrichtungen zur VHKA umfassen die eigentlichen Messgeräte zur Erfassung des individuellen Verbrauchs (Heizkostenverteiler) und die Regelgeräte, mit welchen die Raumlufttemperatur in den einzelnen beheizten Räumen den Bedürfnissen der Bewohner angepasst wird (z.B. thermostatische Heizkörperventile).

Anforderungen an die Geräte für die Heizkostenverteilung (Heizkostenverteiler)

Die Geräte, die für die Verteilung von Heizkosten die massgeblichen Daten erfassen, müssen vom Bundesamt für Metrologie (vormals Eidgenössisches Amt für Messwesen), auf Übereinstimmung mit den EN-Normen geprüft und anerkannt sein.

Ausnahmen von der Erstellungspflicht (Art. 16 EnV)

Wird eine Wärmeerzeugerleistung von weniger als 20 W/m2 Energiebezugsfläche installiert (einschliesslich Warmwasser), kann auf die Erstellung von Einrichtungen zur VHKA verzichtet werden. Dasselbe gilt für MINERGIE zertifizierte Bauten.

Pflicht zur Abrechnung (Art. 9 EnG)

In Bauten und Gebäudegruppen mit VHKA-Ausrüstungspflicht (Art. 8 Abs. 1 EnG) müssen die Kosten für Heizung und Warmwasser verbrauchsabhängig abgerechnet werden. Dem einzelnen Bezüger werden mindestens 60 Prozent der gesamten Heizungs- und Warmwasserkosten nach seinem Verbrauch belastet.

Abrechnung nach Privatrecht

Heizungs- und Warmwasserkosten werden der Mieterschaft als Teil der Nebenkosten in Rechnung gestellt (Art. 257a ff. des Obligationenrechts (SR 220; abgekürzt OR). Die Abrechnung erfolgt nach Art. 5 ff. der eidgenössischen Verordnung über die Miete und Pacht von Wohn- und Geschäftsräumen (SR 221.213.11; abgekürzt VMWG).

 

Danach sind als Heizungs- und Warmwasserkosten anrechenbar die tatsächlichen Aufwendungen, die mit dem Betrieb der Heizungsanlage oder der zentralen Warmwasseraufbereitungsanlage direkt zusammenhängen. Demgegenüber sind Reparaturen und Erneuerungen sowie Verzinsung und Abschreibung der Anlagen nicht anrechenbar. Die Mieterschaft ist berechtigt, eine detaillierte Abrechnung und Aufteilung der Heizungs- und Warmwasserkosten zu verlangen sowie die sachdienlichen Originalunterlagen einzusehen.

 

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